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Web 2.0 für Bildungsnetzwerke

Erste Erfahrungen mit Google+

Was für eine Möglichkeit, mal wieder etwas völlig neues auszuprobieren! An der Herangehensweise an die Erforschung der Bedienung von Google+ wird mir deutlich, wie schnelllebig die Zeit tatsächlich geworden ist: schon wirkt Facebook alt, die Nutzung und Bedienung der Facebook-Funktionen sind so alltäglich geworden, dass „Neuerungen“ wie die Videochat-Funktion nicht wirklich Aufregung verursacht. Die Erfahrungen mit Facebook bieten allerdings eine ganz andere, tiefere Grundlage für jeden Nutzer, Google+ von vornherein auf Herz und Nieren zu testen. Der soziale Nutzer weiß mittlerweile, was er denn so benötigt, um sich so richtig zu vernetzen.

Was er aber mit Facebook noch nicht gelernt hat, ist zusammen zu arbeiten, gemeinsam online Projekte zu planen, zu organisieren und zu steuern. Das wird sich nun ändern.

Ich habe mittlerweile ein paar Tage lang g+ getestet und versucht, erste Hinweise und Anleitungen zu sichten, die allerorten hervorsprießen. Eine ganz gelungene findet sich im WebTrixz-Blog, mit allen notwendigen Schnelleinstellungen.

Besonders angetan hat es mir die Videofunktion „Hangout“, die es nun auch ermöglicht, mit bis zu 10 Personen gleichzeitig eine Videokonferenz abzuhalten. Also deutlich besser als die angesprochene Facebook-Entwicklung, bei der in der kostenlosen Version nur zwei Personen miteinander kommunizieren können.

Für jeden Nutzer gibt es im Hangout von Google+ ein Fenster, zusätzlich ein großes Hauptfenster, um das ein „Kampf“ entbrennen kann: der Nutzer mit der lautesten Stimme erscheint dort. Was wie eine Spielerei wirkt, stellt sich als eine Art automatische Moderation dar, um den momentanen Wortführer in den Mittelpunkt zu stellen. Das erfordert natürlich Diskussionsdisziplin, was in realen Konferenzen aber auch notwendig ist. Bleibt zu beobachten, ob die Funktion so bestehen bleibt, oder ob tatsächlich noch weitere Moderationsfunktionen wie Wortmeldungen etc. hinzukommen, wie dies bei anderen Konferenzmodulen (z.B. Elluminate) Standard ist.

Eine Person kann ein Hangout erstellen, aber jede eingeladene Person kann weitere Personen hinzu laden, bis zu einem Maximum von 10 Teilnehmern. Die Verbindung zu YouTube besteht bereits: YouTube-Videos können ebenso gemeinsam über die Funktion betrachtet werden. Eine gute Anleitung zu Google+ Hangouts findet sich im HowTo-Wiki, wo bereits weitere gute Anleitungen zu Google+ zu finden sind.

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Die Nachrichtenfunktion unterscheidet sich derzeit auch deutlich von der bei Facebook: zunächst hat es den Anschein, als könnten keine Direktnachrichten an andere Nutzer versandt werden. Allerdings ist es möglich, über die Beitrags-Funktion (entspricht in etwa der Facebook-Statusmeldung) die üblichen Mitteilungen zu schreiben – und diese mit bestimmten Nutzergruppen und/oder Einzelpersonen zu teilen.

Und noch eine Besonderheit: ich erreiche mit meiner Nachricht nicht nur bei Google+ registrierte Nutzer, sondern kann jeden beliebigen Kontakt aus meinem Google-Adressbuch auswählen. Diese Nutzer erhalten dann die Nachricht als Email. Überraschend und äußerst praktisch!

Damit öffnet sich Google+ weit mehr als Facebook, von wo aus ich nur mit anderen registrierten Nutzern kommunizieren kann.

Juli 12, 2011 Geschrieben von | Soziale Netzwerke | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Google wird mit Google+ endlich Netzwerk!

Zu Facebook! Zu Facebook?

Zu Google+? Zu Google+!

Noch ein Hype-Artikel zu Google+? Na klar!

Meine Motivation, nebenbei über Social Media Entwicklungen zu bloggen, hat seit über einem Jahr nicht nur merklich nachgelassen, sie ist – nun ja: versiegt.

Doch jetzt bin ich von einem neuen Fieber erfasst: Google wird endlich Netzwerk.

Nicht, dass ich Google unkritisch sehe, ganz und gar nicht. Aber eines hat Google+ gegenüber Facebook voraus:  ich kann mit den Anwendungen mit anderen Menschen online zusammenarbeiten. Ich versuche seit mehr als zwei Jahren herauszufinden, wie ich über Facebook Projektarbeit online umsetzen kann, stoße jedoch bei den geringsten Anforderungen an seine Grenzen. Es können gemeinsame Dokumente nur rudimentär erstellt werden, Tools für Projektpläne wurden nie ernsthaft entwickelt, es gibt keinerlei Office-Implementierung.

Anders Google: es besteht nicht nur eine vollständige Office-Suite in der so genannten „Cloud“, also online, zur Verfügung. Die einzelnen Elemente innerhalb von Google Docs (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation etc.) lassen sich nach Belieben miteinander verbinden, es bestehen Import- und Exportfunktionen sowohl zu Microsoft Office als auch zu Open Office und es gibt darüber hinaus einige Extras wie das Erstellen von beliebig vielen miteinander verschachtelbaren Wikis über Google Sites. Von der Möglichkeit der Einbindung weiterer Elemente wie Google Maps, YouTube und der Fotoverwaltung Picasa (das über Google+ nunmehr unbegrenzt Speicherplatz für Fotos anbietet) ganz zu schweigen.

Und mit Google+ wird das alles nun mit den bestehenden Kontakten verknüpft. Die Entwicklung ist noch in der Startphase, aber Google wäre nicht Google, wenn die ganzen Anwendungen nicht demnächst miteinander vernetzt würden.

Was bietet dagegen Facebook? Kommunikation.

Facebook ist Kommunikation und hat sich damit angeschickt, das Internet zu revolutionieren, nein – zu dominieren. Facebook hat es geschafft, dass es den Raum entwickelt hat, in dem über die relevanten Entwicklungen und Themen der Alltagswelt kommuniziert wird. Auf Facebook entstehen Bewertungen. Facebook ist der Mainstream. Wer nicht auf Facebook präsent ist, kann sich sicher sein, dass er in der Online-Welt, die nicht mehr von der Offline-Welt zu trennen ist, keine allzu große Rolle spielt. Über Facebook erreiche ich „die Menschen“. Über die Qualität der Kommunikation sagt das aber noch nichts aus. Das kann jeder nachvollziehen, der noch nicht die Farmville-Statusmeldungen blockiert hat, oder der sich wundert, dass seine politisch wertvolle Meldung in seinem Freundeskreis nicht annähernd so viele „gefällt mir“ bekommt wie das Foto eines Bekannten – nur weil der darauf einen komischen Hut trägt.

Facebook bedeutet Kommunikation und Vernetzung. Nicht mehr und nicht weniger.

Dazu passt die aktuelle Weiterentwicklung mit der Einbindung des Video-Chat per Skype, was auf Spiegel Online bereits als Schnatterdienst abgetan wird. Dass die Video-Chat-Funktion keine wirkliche Innovation darstellt, sondern eine Lücke schließt, die andere (z.B. Google Mail) schon seit längerem anbieten, ist eine richtige Anmerkung – auch, dass Facebook damit nicht einmal Gruppen-Videochats, wie sie für online-Meetings essentiell sind, zur Verfügung stellt. Das hingegen hat Google+ bereits integriert.

Wunsch und Wirklichkeit

Ich freue mich über Google+, weil damit hoffentlich Wirklichkeit wird, was ich mir schon seit langem wünsche: dass noch viel mehr Personen aus meinen Netzwerken die Google-Anwendungen nutzen werden, weil sie Mitglieder von Google+ werden.

Meine bislang gescheiterten Bemühungen, aus den Facebook-Anwendungen etwas Sinnvolles für online-Projektarbeit zu nutzen rühren von meinen ebenso bislang gescheiterten Bemühungen, die Google-Anwendungen zu bewerben. Sich bei Google zu registrieren, um gemeinsam Dokumente zu erstellen und Ideen weiterzuentwickeln, schien für Viele unattraktiv zu sein. Die Anwendungen wurden von der breiten Masse leider nicht genügend wahrgenommen und der Zugang wurde dadurch womöglich erschwert.

Das wird sich nun hoffentlich ändern – denn Google+ ist nach meinen ersten Eindrücken einfach zu bedienen und hat mit den „Circles“ die Verwaltung der eigenen Kontakte in das Zentrum der Bedienung gerückt, was mich sofort begeistert hat. Denn nicht alle meine „Freunde“ auf Facebook sind meine Freunde. Und nicht alles, was ich mitteile, sollen nicht alle „Freunde“ lesen können. Aber ich möchte zugleich keine Vernetzung missen. Und ich möchte schnell entscheiden können, mit wem ich was teile. Das ist von nun an möglich.

Weitere erste Eindrücke zu Google+ hat auch Christian Henner-Fehr auf seinem Kulturmanagement-Blog veröffentlicht. Auf besser2.0 weist Johannes Egenolf ebenso auf die Bedeutung von Google+ als Zusammenarbeits-Netzwerk hin. Und auf Google+ wird natürlich derzeit alles ausprobiert und diskutiert…

Ich freue mich!

Juli 8, 2011 Geschrieben von | Soziale Netzwerke, Zusammenarbeit | , , , | 1 Kommentar

Social Media Leben!

Social Media ist in aller Munde – ist es nicht? Nein, ist es tatsächlich nicht.
Jedenfalls nicht so, wie ich es mir das wünsche. Wie sonst ist es zu erklären, dass heutzutage immer noch Artikel die Zeitungen und Online-Medien füllen, die sich grundsätzlich dem Thema widmen: „Was ist das Web 2.0?“ oder „Welche Vorteile bringt die Teilnahme am sozialen Netz“ etc., über die ich immer wieder stolpere.
So freut mich der aktuelle 12. Artikel zur NPO-Blogparade, in dem die Web 2.0-Expertin Katrin Kiefer fragt, welche konkreten Voraussetzungen Nonprofit-Organisationen leisten müssen, um erfolgreich Social Media einsetzen zu können. Sie sieht Web 2.0 als aufstrebendes Phänomen auch für den Nonprofit-Bereich, mahnt aber kritisch an, dass die Möglichkeiten bislang nicht oder nur unzureichend genutzt werden.
Wieso, so mag der Leser der NPO-Blogparade fragen, ist diese Frage – oder diese Art Fragen immer wieder – für NPOs überhaupt gesondert zu untersuchen?

Meine Erklärung lautet: Starrsinn der alten Generation, keine Wettbewerbszwänge, keine Innovationslust!

In vielen persönlichen Gesprächen, in denen ich für die Demokratisierung des Internet über die neuen technischen Möglichkeiten eintrete, schlägt mir häufig Staunen, Ungläubigkeit, Verwirrung und Ablehnung entgegen.
Das Staunen fängt schon an, wenn ich darstelle, wie ich mit einfachen kostenlosen Wikis wie z.B. über Google Sites ein Instrument zur gemeinsamen Planung und Zusammenarbeit schaffen kann.
Ungläubigkeit ernte ich, wenn ich demonstriere, wie ich mit meiner Android-Handycamera durch die Straßen gehe und über Wikitude sämtliche Sehenswürdigkeiten, Geschäfte, Organisationen etc. in der Nähe eingeblendet bekomme.
Verwirrung entsteht, wenn ich mein Tweetdeck öffne und damit meine Facebook- und Twitter-Updates verwalte.
Dafür habe ich größtes Verständnis – die technischen Möglichkeiten entwickeln sich rasend schnell weiter und es ist selbst für interessierte Nutzer nahezu unmöglich, damit Schritt zu halten.
Was mich jedoch ärgert, ist die Reaktion der pauschalen Ablehnung von Social Media. Leider begegnet die mir allzu häufig bei Personen der „alten“ Generation – ab wann die zu zählen ist, bin ich mir unsicher. Auf jeden Fall erlebe ich in direkten Gesprächen die Mehrheit der Personen ab Mitte, vielleicht sogar Anfang 30, nahezu allergisch auf Schlagworte wie Communities, gemeinschaftliches Online-Arbeiten oder gegenseitige Vernetzung. Ausnahmen gibt es natürlich sehr wohl: ebay und Amazon werden von einer breiten Masse rege genutzt – inklusive der Bewertungs- und Referenzfunktionen. Wobei den meisten Nutzern sicher nicht bewusst ist, dass sie sich damit dem Kern des Web 2.0 gefährlich nähern. Doch geht es über den Konsum hinaus, blockieren Viele: „Ich weiß doch nicht, was mit meinen Daten da draußen passiert“, „Ich habe mit meinem Netzwerk im Dorf schon genug zu tun“ etc.
Auch berechtigt, zumindest für Privatpersonen. Aber Vertreter von Unternehmen und Organisationen müssen sich endlich ihrer digitalen Verantwortung stellen! Während Unternehmen die besseren Zuhörer sind, weil sie den Kunden erreichen wollen, bemühen sich NPOs oftmals nicht um ihre Kunden, Klienten oder Stakeholder. Ein Luxus, der offensichtlich auf breiter Front zur Innovationsverneinung führt.

„Ob wir das wollen oder nicht – wir sind mittlerweile selbst dann Teil des omnipräsenten Internets, wenn wir glauben, offline zu sein.“ schreibt Suhrkamp-Autor Stefan Münker in seinem Plädoyer für die Sozialen Medien im Internet auf Spiegel online. Der Artikel befasst sich auch schon wieder grundlegend mit Web 2.0 / Social Media, doch ist er anders, fordernder: „Erst jetzt, und auch nur mit den Web-2.0-Anwendungen, wird die massenhaft verbreitete Nutzung gemeinschaftlich geteilter interaktiver Medien zum ersten Mal Wirklichkeit; die kollaborativen Projekte seiner Sozialen Medien realisieren eine Praxis der partizipatorischen Mediennutzung, die zumeist überraschend effizient und dabei fast immer demokratischer ist, als wir es von früheren Medien gewohnt sind. Das Web 2.0 erscheint dabei zumindest tendenziell als die real gewordene Utopie jener demokratischen Umnutzung der Massenmedien, deren Ideal zuerst wohl Bertolt Brecht in seinem Rundfunkaufsatz aus dem Jahr 1932 entworfen hat. Als Netz gemeinschaftlich produzierender Sender wird das Web 2.0 zu einem medialen Baustein einer neuen Form gesellschaftlicher Öffentlichkeit.“ Utopien, die Wirklichkeit geworden sind. Medialer Baustein einer neuen Form gesellschaftlicher Öffentlichkeit.
Daraus lässt sich ableiten, dass Organisationen, die die neuen Möglichkeiten bewusst nicht nutzen wollen, an dieser Öffentlichkeit nicht teilnehmen, hier also auch keine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.
Wie ich in einem früheren Artikel angeführt habe, sind aus meiner Sicht Wirtschaftsunternehmen die besseren Zuhörer – überlassen die Nonprofit-Organisationen ihnen auch das Feld der gesellschaftlichen Verantwortung in der neuen Form gesellschaftlicher Öffentlichkeit?
Das steht zu befürchten. Stefan Münker schreibt weiter: „Gesellschaften brauchen Öffentlichkeiten. Zum Austausch von wichtigen Informationen, zur Auseinandersetzung über strittige Meinungen, zur Vermittlung unterschiedlicher Interessen. Öffentlichkeiten stiften Identitäten und erzeugen Differenzen; sie sind Orte des Zusammenfindens und der Abgrenzung zugleich: gerade auch die des Web 2.0. Die digitalen Öffentlichkeiten im Web 2.0 bereichern die plurale Vielfalt unserer Gesellschaft.“
Wer sich also nicht am Web 2.0 beteiligt, steuert nichts zur Bereicherung der pluralen Vielfalt in den digitalen Öffentlichkeiten bei. Privatpersonen müssen das nicht, sie können das tun oder lassen. Unternehmen, die sich im Wettbewerb um Kunden und Märkte befinden, nutzen das zum Teil bereits intensiv. Organisationen, deren Ziel und Zweck nicht auf der Ebene des öffentlichen Diskurses gerichtet ist, müssen das auch nicht. Alle anderen sollten sich langsam mal bemühen.

Die eigentliche Frage von Katrin Kiefer nach den Voraussetzungen möchte ich darauf aufbauend beantworten. Wichtigste Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich der digitalen Verantwortung zu stellen und dementsprechend die Möglichkeiten, die sich mittlerweile zuhauf bieten, zu nutzen. Als weitere Voraussetzungen sind zu nennen:
- Entwicklung einer Social Media Strategie (siehe auch den aktuellen Beitrag dazu von Hannes Jähnert)
- Kundenorientierung (oder auch Klienten- oder Stakeholderorientierung)
- stete Fortbildung der Mitarbeiter zu Social Media
- Lust, sich weiterzuentwickeln
- Wettbewerb (und somit der Zwang, sich weiterzuentwickeln)
- Nutzung der Vernetzungsmöglichkeiten

Es liegt oftmals an einzelnen Mitarbeiter/innen in Nonprofit-Organisationen, quasi von unten Web 2.0 in die Organisation zu bringen – sei es, indem sie zunächst privat, dann immer öfter in beruflichen Zusammenhängen twittern, eine Facebook-Seite eröffnen usw. Wenn sich jedoch daraus keine Strategie, keine zielgerichtete Absicht und keine Bündelung von Ressourcen hin zu einer interaktiv kommunizierenden und kollaborativ arbeitenden Organisation entwickelt, bleibt dies ein Hobby, das Arbeitszeit kostet, dessen Wirkung aber verpufft.
Social Media sollte zu einem wichtigen Bestandteil von Unternehmenskommunikation werden – zur nachhaltigen Weiterentwicklung der gesamten Organisation.

November 24, 2009 Geschrieben von | NPO, Web 2.0 | , , , | 5 Kommentare

Soziosponsoring – Eine Möglichkeit für kleine NPOs? (NPO-Blogparade)

Ludger Brenner von den PR-Indianern fragt sich in seinem aktuellen Beitrag zur NPO-Blogparade, ob sich Sozio- oder Sozialsponsoring auch für kleinere Nonprofit-Organisationen als Instrument der Mittelbeschaffung eigne oder ob dies größeren NPOs vorbehalten sei.

Ich denke, dies ist uneingeschränkt mit „kommt darauf an“ zu beantworten. Grundsätzlich spricht für mich nicht viel dagegen, obschon wie Brenner betont, „Sozialsponsoring ein Geschäft auf Gegenseitigkeit ist und damit Versuche der Einflussnahme auf den Gesponsorten möglich sind.“ Wenn diese Einflussnahme entweder als Form der Bereicherung der eigenen Geschäftstätigkeiten der Nonprofit-Organisation gesehen wird oder wenn die Möglichkeit der Einflussnahme grundsätzlich ausgeschlossen wird, gibt es damit keine Probleme.

Wichtig ist allerdings die grundsätzliche Bereitschaft, mit einer solchen Partnerschaft professionell umzugehen. Sponsoring ist ein Geschäft auf Gegenseitigkeit – was den üblichen Prinzipien, die ansonsten bei Mittelakquise bestehen, unter Umständen widerspricht: bei Förderanträgen und Verwendungsnachweisen überwiegen häufig Antragslyrik auf Seiten des Antragstellers, formalistisches Argumentieren und Zeitverzögerungen auf Seiten der Geldgeber. Die tatsächlichen Leistungen unterliegen häufig politischem Willen. Bei der Spendenakquise steht der Zweck eindeutig im Zentrum der Betrachtung – und das Marketing, welches diesen verkauft. Ob dieser dann tatsächlich so umgesetzt wird, wie sich das der Spender wünscht, sei mal dahingestellt.

Das Soziosponsoring weist einen grundsätzlich anderen Weg. Was es für mich sympathisch macht: zum Einen zählt die tatsächliche Leistung – denn ein Unternehmen zahlt einen Preis für ein vorab vertraglich zugesichertes Produkt. Wird dieses Produkt (z.B. die Außenwirkung in Form von messbaren Medienkontakten unter Nennung des Sponsors) nicht erreicht, wird sich das geldgebende Unternehmen zu Recht bemerkbar machen. Nonprofit-Unternehmen sind gezwungen, professioneller zu arbeiten sowie verlässliche und messbare Ziele zu benennen.

Ich denke nicht, dass es in Bezug auf die Umsetzungsmöglichkeiten von Soziosponsoring einen Unterschied zwischen größeren und kleineren NPOs gibt. Vielmehr gibt die Professionalität den Ausschlag: wenn sich eine Nonprofit-Organisation auf ein Geschäft mit einem Wirtschaftsunternehmen einlässt, sollte sie sich dessen Bewusstsein, dass es sich wirklich um ein Geschäft zwischen Anbieter und Nachfrager einlässt. Ein guter Verkäufer kann auch für eine kleinere NPO erfolgreich sein. Allerdings ist es leider so, dass die meisten NPOs nicht so denken und Mitarbeiter, die solche Fähigkeiten besitzen, dafür in der Regel nicht allzu viele Ressourcen besitzen – anders als in größeren Organisationen.

Die Frage nach einer möglichen Einflussnahme des Sponsors auf die Organisation ist eine Pseudo-Sorge, die ein Wirtschaftsunternehmen bei Geschäften – außer im Rahmen von strategischen Investitionen – nie stellen würde. Mich würde von daher interessieren, ob es reale Beispiele für Fälle gibt, in denen tatsächlich ein Sponsor die Arbeitsinhalte einer Nonprofit-Organisation beeinflusst hat.

Oktober 16, 2009 Geschrieben von | NPO | , , | 1 Kommentar

Blog vs. Twitter

Entschuldigung, ich war in den letzten vier Wochen nach Twitter verreist.
In den nächsten Tagen finden Sie mich nicht auf Xing, Sie haben aber eine Chance, mich auf friendfeed zu treffen.

twitter

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Mein persönliches derzeitiges Online-Verhalten spiegelt in gewisser Weise einen allgemeinen Trend wider: Es wird weniger gebloggt, dafür umso mehr getwittert. Auch ich habe nach ein paar Anläufen endlich Twitter für mich entdeckt – als eine unvergleichlich gute und dynamische Informationsquelle, als einfachen Einstieg in zum Teil tiefgründige Themen. Und dabei habe ich mein Blog vernachlässigt, ganz zu schweigen von meinem Xing-Netzwerk. Ich betreibe dies Blog, Twitter usw. als reines Hobby neben meiner eigentlichen Arbeit und meiner Offline-Welt, und da muss ich mich halt entscheiden, wohin meine Ressourcen fließen. Wie gesagt, es wird getwittert, was das Zeug hält. Es gibt zunehmend Annahmen, dass Twitter in naher Zukunft Blogs verdrängen wird, so wie Online-Nachrichten die klassischen Printmedien verdrängen und verdrängt haben. Diese Entwicklung betrübt mich ein wenig, da ich mir wünsche, dass wichtige Themen nicht überwiegend in ihrer Quantität, sondern vor allem in ihrer Qualität erfasst und diskutiert werden. Ist das möglich, wenn ich von einem Link zum nächsten fliege?Und wenn ich dort 20 Präsentationen zu Social Media im Nonprofit-Bereich finde, den Link gleich als Retweet weiterleite? Weil… also… 20 Präsentationen zum Thema, das ist doch was, das ist doch toll. Sollen sich die anderen die doch mal angucken. Oder weiterleiten. Oder mir folgen. Ist das tiefgründig?

twitter over capacity

twitter over capacity

Wie gesagt, mittlerweile mag ich Twitter. Sehr sogar. Doch vermisse ich die Tiefe, die ich bei einigen ausgewählten Blogs durchaus finde. Schlimm, wenn auf Kosten von Twitter Blogs zunehmend vernachlässigt werden. Umso mehr hat mich der ausführliche Artikel von Jeremiah Owyang zu dieser Entwicklung gefreut, der sich zum Bloggen bekennt und in seinem Netzwerk eine Verflachung der Diskussionskultur und zum Teil vollständigen Rückzug vom Blogging beobachtet. Twitter Nutzen bringend einzusetzen und mit dem eigenen Blog und anderen Online-Aktivitäten zu verbinden ist seine bevorzugte Strategie, was ich für sehr sinnvoll halte. Eine Möglichkeit, dies technisch zu unterstützen, bietet natürlich friendfeed, wodurch zumindest eingehende Kommunikation und eigene Postings aus verschiedensten Netzwerken gebündelt dargestellt werden können. Wenn ich jetzt nur aus friendfeed alle meine Profile zentral füttern könnte…
Mir zeigen die Entwicklungen jedenfalls, dass sich der Web 2.0-Markt in einer Konsolidierungsphase zu befinden scheint, wobei die Freaks den Ton angeben. Für Organisationen und Unternehmen bedeutet dies, sehr wachsam zu sein, in welchen Netzwerken sie aktiv sein wollen und wie sie ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen. Dazu passt einmal mehr die Aussage von Seth Godin (Twibes, Piatkus Books 2008): „Stability is an illusion“ – es geht darum, aus der sich ständig in Bewegung befindlichen Masse heraus Stämme zu bilden, zu einer Bewegung zu binden und diese anzuführen. Dies geht aber nur mit einer durchdachten Marketingstrategie, deren Methoden und Instrumente zur Organisation und zu den zu bindenden Stämmen passen.
So gesehen haben Blogs, vor allem Corporate Blogs, nach wie vor eine große Zukunft vor sich. Twitter hat seine Funktionen und wird in Zukunft an Bedeutung noch zulegen. Als Marketinginstrument wird es jedoch Blogs auf absehbare Zeit nicht verdrängen können.

Juli 3, 2009 Geschrieben von | Web 2.0 | , , | Hinterlasse einen Kommentar

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