Foswiki veröffentlicht – Wikis für Unternehmen und Netzwerke
Am 9. Januar ist Foswiki veröffentlicht worden. Foswiki geht aus dem bisherigen TWiki hervor, als Resultat aus einem Streit um die kommerzielle Nutzung von TWiki zwischen TWiki-Gründer Peter Thoeny und der TWiki-Community. Als Thoney die TWiki Community vorübergehend ausgeschlossen und allen Entwicklern den Zugang zum TWiki-Portal gesperrt hatte, entstand eine sogenannte Fork: Die Community entwickelte auf Basis des bestehenden TWiki die Software weiter, die nun als Foswiki in der Version 1.0 veröffentlicht wurde.
Momentan bin ich dabei, mich in die Administration von Foswiki einzuarbeiten, da ich die Software als Intranet und Wissensdatenbank für geschlossene Netzwerke im Bildungsbereich nutzen werde. Und hier liegt die Stärke von Foswiki wie beim bisherigen TWiki: Umfangreiche Nutzerverwaltung mit ausgefeiltem Rechtesystem, zahlreiche Plugins für verschiedene Einsatzmöglichkeiten in Intranets sind standardmäßig enthalten (z.B. Kalender-, Workflow-, Table-Plugin) und eine aktive Community entwickelt fleißig weiter. Zudem können beliebig viele Webs auf der Grundlage eines einmal installierten Wikis aufgesetzt werden – jeweils für unterschiedliche Nutzergruppen. Weitere Informationen zu Foswiki/TWiki im Unterschied zu MediaWiki finden sich auf dem Blog von Seibert Media, mit denen ich die Implementierung der Netzwerk-Intranets angehe.
Ich bin sehr gespannt, wie die Wikis in den verschiedenen Netzwerken von den Nutzern angenommen werden. Es ist jedenfalls ein großer Schritt in Richtung Einbindung von Nutzern in die Wertschöpfung und die gemeinsame Gestaltung von Inhalten und Prozessen.
NPO-Blogparade: Kehrseite des Web 2.0 für NPOs?
Im neusten Artikel der NPO-Blogparade, dem ich mich aufgrund meines wohlverdienten Weihnachtsurlaubs erst jetzt widme, fragt Ole Seidenberg nach den möglichen Kehrseiten des Web 2.0-Hypes für den Nonprofit-Sektor und sieht 4 mögliche Gefahren als gegeben:
- Zweckentfremdung von Dienstleistungen am Beispiel Museum (Bilder und Führungen)
- Unkreative Lösungen statt Weisheit der Massen
- Abschwächung menschlicher Solidarität bei Online-Beteiligungen
- Verzerrungen bei Spenden
Ich halte die kritische Betrachtung der Entwicklung im Web 2.0-Bereich für absolut notwendig. Der Zweckentfremdung von Dienstleistungen kann ich mich jedoch nicht ganz anschließen. Der Informationsgehalt im Internet kann den Erlebnischarakter eines Museums meiner Meinung nach nicht ersetzen oder gar zweckentfremden, vielmehr unterstützen. Interessant wäre eine Studie zu betrachten, die einen Zusammenhang von Besucherzahlen und Veröffentlichungen von Werken eines Museums untersucht. Ich vermute, dass die Besucherzahlen in Museen nicht leiden – vielmehr bereiten sich Besucher intensiver auf die Führungen vor – und sind möglicherweise kritischer, was aber nicht negativ zu bewerten ist.
Unkreative Lösungen sehe ich ganz und gar nicht als Gefahr bei der Weiterentwicklung des Web 2.0, ganz im Gegenteil. Es gibt zahlreiche gute Beispiele für kreative Energie, die durch Crowdsourcing, also die Öffnung der Innovationsprozesse und Einbeziehung von Vielen, frei werden kann. Prominentestes Beispiel sind neben der Wikipedia und Firefox das ebenso häufig erwähnt Projekte Lego Factory, bei dem Nutzer ihre eigenen Kreationen per Software entwickeln, hochladen und weiterentwickeln können. Dabei entstehen nicht nur Mainstream-Produkte, sondern sehr individuelle Eigenkreationen. Sehr gute Beispiele sind dazu auch bei den Groundswell Awards zu finden, die sich gerade mit gelungenen Umsetzungen von Nutzerintegration befassen.
In seiner Antwort auf die Frage konzentriert sich foulder in erster Linie auf den drohenden Kontrollverlust über die Kommunikation (über die eigene Marke) im Web durch die Verknüpfung selektiv ausgewählter Daten. Die triviale und richtige Antwort auf möglichen Kontrollverlust lautet: Es gibt keine Alternative zur Teilnahme im Web 2.0. Dies sehe ich auch so: Den selektiven Informationen, Meinungen und Aussagen über eine Organisation oder Marke kann nur durch Transparenz und aktive Mitgestaltung ein ganzheitliches Bild gegenübergestellt werden, wenn die Informationen transparent und breit gestreut werden. Was allerdings die Meinungsbildner und Nutzer damit machen, ist nicht zu kontrollieren. Diesem Thema widmet sich seit längerem Jeremiah Owyang von Forrester, der sich vor kurzem mit der Frage beschäftigte, wie vertrauenswürdig der eigene Corporate Blog ist. Er hebt in seinem Artikel die Bedeutung von Schreibstil, Inhalte, Menschlichkeit, Verlinkungsverhalten, Kundenintegration, Dialogform, Kommentarkultur und Update-Häufigkeit vor. Lesenswert, vor allem auch die Kommentare! Owyang konzentriert sich bei seinen Untersuchungen vor allem auf Twitter, was aber gut auf jede Art von Web 2.0-Kommunikationsaktivität zu übertragen ist. Ich habe mich in einem Artikel etwas ausführlicher damit beschäftigt.
Die Reaktionen auf diese wichtige Fragestellung der 3. NPO-Blogparade haben sich leider in Grenzen gehalten. Dies mag an dem ungünstigen Zeitpunkt vor Weihnachten gelegen haben. Vielleicht aber wäre die Konzentration auf eine der 4 Gefahren und ihre ausführlichere Betrachtung mit mehr Reibefläche sinnvoll gewesen. Die Fragen jedoch sind sinnvoll und sollten weiter diskutiert werden.
