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Erste Wiki-Erfahrungen

Ein Intranet auf Wiki-Basis – für geschlossene Netzwerke im Nonprofit-Bereich: Ich hoffe, das Modell ist erfolgreich und macht Schule. Mein Lieblingskapitel ist derzeit das erste: Grassroots is best. Nachdem die (möglichen) technischen Anforderungen von Foswiki grundsätzlich meinen Vorstellungen einer Intranet-Software entsprechen und die Grundfunktionen zur Verfügung stehen, ist die alltägliche Arbeit damit angenehm. Mit den Plugins gibt es derzeit allerdings noch Probleme: Das CalendarPlugin beispielsweise wurde noch nicht fehlerfrei von der Vorgängersoftware TWiki adaptiert, so dass es derzeit noch nicht zur Verfügung steht. Das ist enttäuschend, da gerade die Plugins als das herausragende Merkmal von Foswiki gelten sollen.

Stewart Mader sagt absolut überzeugend, dass die Entwicklung eines Wiki unbedingt von der Basis ausgehen muss. Der Nutzer nimmt das Wiki dann an, wenn es auf möglichst freiwilliger Basis, als Angebot, zur Verfügung steht – ohne Druck, dieses nutzen zu müssen. Wenn es anstrengend ist, das Wiki zu nutzen oder wenn restriktive Regeln den Nutzer behindern, werden diese sobald möglich aufhören, es zu nutzen. Sollten die Nutzer aber anfangen, das Wiki zu mögen und sollten sie spüren, dass es ihre Arbeit verbessert, werden sie aktiv.

Das sehe ich ebenso und hoffe natürlich, dass es auch in der Praxis so ankommt, wenn das Wiki als Angebot und Einladung zur Verfügung steht. Menschen entwickeln ihr eigenes Potential nur, wenn sie Raum dazu haben. Social Media stellt Raum zur Verfügung – Raum, der von Einzelnen und Gruppen genutzt werden kann. So sollen Wikis – ob geschützt oder offen – Gruppen Raum geben, sich zu entfalten und sich als Gruppe zu entwickeln. Eine Gruppe, die über Wissensmanagement verfügt, entwickelt einen inhaltlichen und sozialen Kern, der das Nachhaltigkeitspotential enorm erhöht.

Zum nächsten Kapitel Wiki vs. Email könnte ich jetzt schon einiges sagen, aber das verschiebe ich aufs nächste Mal. Allerdings glaube ich nicht, dass ich jeden Tag zu jedem Kapitel etwas beisteuern kann, ichh möchte die Ansätze schließlich zunächst am lebendigen Objekt, sprich Netzwerk, ausprobieren.

März 11, 2009 Verfasst von bresgun | Open Innovation, wiki | , , , | 2 Kommentare

Wiki-Management: Serie in 21 Teilen

Über die Implementierung und Belebung „meines“ Intranets auf Grundlage der Wiki-Software Foswiki bin ich auf die Video-Serie 21 Days of Wiki Adoption von Stewart Mader gestoßen. Zwar bereits ein Jahr alt, aber aus meiner Sicht dennoch höchst erwähnenswert: In 21 Statements erklärt Mader auf verständliche Weise die Vorteile von Wikis und wie diese zu nutzen sind. Auf grafische Unterstützung verzichtet Mader (leider) ganz und allzu vertiefende Einsichten in die Strategie zur Belebung von Wikis gibt es in dieser Serie nicht – aber sämtliche wichtigen Bereiche werden behandelt: Die Bedeutung der Basis (Nutzer), Unterschied eines Intranets auf Wiki-Basis zur Wikipedia, Kollaboration, Vorteile gegenüber Emailverkehr, Wikis als Projektmanagementtool, Teilen und Beteiligung als Grundhaltung etc. werden überzeugend dargestellt. Die Serie richtet sich an Entscheider, die sich über die Möglichkeiten von Wikis im Unternehmenseinsatz überzeugen (lassen) möchten, jedes einzelne Serienelement kann sehr gut einzeln eingesetzt werden.

Fazit: Die Serie eignet sich hervorragend als Einstieg für alle, die mit dem Gedanken spielen, ein Intranet auf Wiki-Basis einzurichten und zu beleben.

März 9, 2009 Verfasst von bresgun | wiki | , , , | 1 Kommentar

NPO- Blogparade Nr. 5: Ein Wort zu den Verwaltungskosten im gemeinnützigen Sektor

In der 5. Folge der NPO-Blogparade hat Basti Schwiecker vom Helpedia-Blog erneut ein längst überfälliges Problem angestoßen: Er fragt: Warum steht die Höhe der Verwaltungskosten bei spendensammelnden Organisationen so oft im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte? Mit der vermeintlichen Grundhaltung von Spendern, dass das von ihnen gegebene Geld in möglichst voller Höhe dem gewünschten Zweck zugeführt wird, stehen Organisationen im Nonprofit-Bereich unter dem Druck, die Kosten, die das Sammeln von Spenden und die Finanzierung von unterstützten Projekten erst ermöglichen, möglichst niedrig zu halten sind. Dies ist an sich nicht problematisch, auch in gewinnorientierten Unternehmen gilt es, Verwaltungskosten möglichst niedrig zu halten. Zum Problem wird dies aber dann, wenn die niedrigen Verwaltungskosten das Hauptkriterium für gute Arbeit einer Spenden sammelnden Organisation sind, was Schwiecker richtig anmerkt.
Er beklagt die aus dem reinen Kostensenkungs-Denken resultierende mangelnde Bereitschaft zur Professionalität, die sich zum Einen im Mangel an geeigneten Instrumenten zur Erfolgsmessung von gemeinnützigen Projekten und zum Anderen in der vergleichsweise geringen Vergütung von Experten und Führungskräften im gemeinnützigen Sektor widerspiegelt. Dies sehe ich ebenso: Nonprofit-Organisationen verfügen in der Regel nicht über ausreichende Ressourcen zur Erhebung marktgerechter Daten in Bezug auf den Erfolg ihrer Produkte und Dienstleistungen. Evaluationen zur Darstellung von Projekterfolgen geschehen zum Teil auf willkürlich angenommenen Marktdaten, werden häufig von ungeschultem Personal erdacht, erhoben und ausgewertet und dienen nicht selten dazu, weitere Projektfinanzierungen – z.B. aus öffentlichen Fördermitteln – abzusichern. In der Außendarstellung von Projekterfolgen in Bezug auf Spender/innen finden solche Evaluationen häufig noch nicht einmal statt – hier genügen wie Schwiecker anmerkt, z.T. schon Bilder aus den Projekten, um das gute Gefühl beim Spenden zu beruhigen. Um die tatsächliche Effizienz einer Organisation zu messen, bedarf es aber professioneller Instrumente, die entsprechende Kosten mit sich ziehen.
Was die Vergütung des Personals im gemeinnützigen Sektor angeht, besteht ebenfalls Diskussionsbedarf. Schwiecker beklagt zu Recht, dass professionelle Zielverfolgung bei der Umsetzung gemeinnütziger Projekte und effizienter Einsatz von Mitteln professionelles Personal erfordert – insbesondere dort, wo verantwortlich Mittel in größerem Umfang eingesetzt werden. Dies betrifft meiner Meinung nach zum Einen Führungspersonal in Entscheidungspositionen als auch Personen, die die notwendigen Mittel beschaffen und die Menschen zum Spenden bringen, also die Fundraiser. Immerhin gibt es bei zahlreichen größeren Organisationen Menschen, die sogar dafür bezahlt werden, dass sie über Marketing-Aktionen Gelder für die Unternehmensziele einwerben, doch gibt es hier in den wenigsten Fällen eine Erfolgsbeteiligung. Aber – das würde ja wieder die besagten Verwaltungskosten in die Höhe treiben.

Hier mache ich dann gleich einen Schwenker zu NPO 2.0 – was es so ja leider noch nicht gibt, im Gegensatz zu Enterprise 2.0. Dabei bietet gerade das neue Web die Möglichkeit, solche Diskussionen offener zu führen. Nein – nicht die Möglichkeit, sondern die Notwendigkeit. Wie zahlreiche Unternehmen aus dem Wirtschaftsbereich schmerzhaft erfahren mussten, wurden sie oder ihre Marken aufgrund von Tatenlosigkeit „brandjacked„: Auf Twitter haben sich Nutzer Namen angelegt, um wie die in ein paar Tagen berühmt gewordene „Janet“ als vermeintlich offizielle Vertreterin von Unternehmen – hier Exxon Mobile – aufzutreten und Unternehmenskommunikation vorzugaukeln. Soweit muss es nicht kommen, doch wird deutlich, was ich aus dem Beitrag von Basti Schwiecker ebenso herauslese: Nonprofit-Organisationen müssen ein stärkeres Bewusstsein entwickeln, sich selbst deutlicher zu positionieren – und den Wert, also auch die Kosten, ihrer Arbeit. Eine Spenden sammelnde Organisation bittet zwar um Geld, ist aber kein Bittsteller.

Kurz zusammengefasst: Ich halte den Artikel von Basti Schwieckert für einen gelungenen Beitrag zur Diskussion um Professionalisierung und zu einem selbstbewussteren Auftreten von Nonprofit-Organisationen. Möglichkeiten, dies anzugehen, sind im Web 2.0 gegeben, sie müssen nur genutzt werden.

Wenn Du nicht weißt, was die NPO-Blogparade ist und wie sie funktioniert, wirf bitte einen Blick auf diesen Beitrag im Blog zur NPO-Blogparade, in dem wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst haben. Falls etwas unklar bleiben sollte, einfach per Kommentar fragen. Viel Spaß beim Schreiben und Lesen der Beiträge!

März 5, 2009 Verfasst von bresgun | NPO, Web 2.0 | , | 1 Kommentar