Netvibes reloaded: Jetzt mit multiplen personalisierten Seiten
Ich liebe mein Netvibes – das muss gesagt sein! Netvibes hat eindeutig mein Leseverhalten im Internet verändert – weg vom Sachensuchen und dem ewigen „was gibt’s neues auf Spiegel online?“ hin zu einem bunten Strauß täglich neuer Informationen. Natürlich ist Netvibes beileibe nicht der einzige RSS-Aggregator, aber meiner Meinung nach der beste, alleine von der Bedienung, der Einfachheit der Oberfläche sowie in den individuellen Bearbeitungsfunktionen der einzelnen Feeds. Deshalb ist Netvibes meine absolut fixe Startseite. In verschiedenen Tabs habe ich meine Newsfeeds sortiert, wobei „sortieren“ sicher zu hoch gegriffen ist – die vermeintlich wichtigsten stehen halt oben. Gestern ist das neue Netvibes gelauncht worden. Die zentrale Neuerung: Multiple Seiten, deren Inhalte beliebig verschieb- und kopierbar sind. Damit lässt sich aus der Sammlung privater RSS-Feeds schnell eine öffentliche Seite mit ausgewählten Feeds kreieren. Schick, einfach und sehr praktisch. Empfehlenswert. Wenn jetzt noch die mobile Version aufgepeppelt und zu allen Browsern kompatibel gemacht würde, wäre ich rundum zufrieden. Zu meinem G1 ist sie es leider nicht…
NPO-Blogparade Nr. 8: Zur Online-Partizipation motivieren
Die NPO-Blogparade geht mittlerweile in die 8. Runde. Hannes Jähnert widmet sich einem spannenden Thema und fragt, wie mehr Menschen zur (politischen) Teilhabe über das Internet bewegt werden können. Hannes Jähnert widmet sich bewusst der Politik als Schwerpunkt, indem er nach Habermas die Stärkung der Zivilgesellschaft als wesentliche Chance im Social Web sieht, wo mit relativ geringem Aufwand eigene, private Meinung verstärkt nach Außen getragen werden kann. Dies ist unbestritten, ebenso wie seine Folgerung, dass Politiker verstärkt die neuen Vernetzungsmöglichkeiten im Web 2.0 nutzen sollten, aber dies nicht genügend umsetzen. Doch ist daraus allein ein Rückschluss auf geringe Partizipationsmöglichkeiten zu ziehen? Auf dem Nationalen Forum für Engagement und Partizipation in Berlin, an dem ich vergangenen Freitag teilnehmen durfte, war genau dies Thema in dem Dialogforum „Engagement in der demokratischen Gesellschaft – Engagement als Partizipation“: Die Parteien transformieren nicht mehr in genügendem Maße demokratische Prinzipien wie gesellschaftliche Teilhabe und Beteiligung, wie dies wünschenswert wäre. Der breite Zugang zu demokratischen Beteiligungsformen über Parteien zumindest scheint nicht mehr zu funktionieren, das zeigt alleine der Mitgliederschwund bei den (bürgerlichen) Parteien. Politikverdrossenheit zeigt sich also nicht nur bei Wählern, sondern auch bei Aktiven. Barack Obama hat jedenfalls durch seinen Wahlkampf und seine Politik der Integration der Bürger in die politische Arbeit gezeigt, wie die Menschen zu mobilisieren sind. Spannend wird sein zu betrachten, ob eine Verstetigung in den politischen Alltag einsetzt und über den verlängerten Wahlkampf hinaus die politische Teilhabe in den USA nachhaltig verändern wird.
Bietet das Internet mit seinen neuen Formen der vernetzten Kommunikation nun neue Optionen, um die Beteiligungskultur in der Gesellschaft und bei den Parteien zu stärken? Ich denke, auf jeden Fall! Allerdings kommt es nicht nur auf den Einsatz solcher Technologien an, sondern auf den bewussten Umgang mit ihnen, was ein Umdenken in der Kommunikation und im Miteinander mit denjenigen, mit denen die Kommunikation gesucht wird bedeutet. Aber ist (politische) Partizipation nur auf den Bereich der Parteien zu beschränken? Es gibt zahlreiche Beispiele, in denen der Zugang zu Beteiligung und Teilhabe gefördert wird. Ich leite beispielsweise die Aktion Mitmachen Ehrensache, bei der im letzten Jahr in Baden-Württemberg über 7.000 Jugendliche einen Tag lang jobbten und das Geld (2008: 178.000 Euro) gemeinnützigen Zwecken spendeten. Über 350 ehrenamtliche Jugendliche, sogenannte Botschafter, bewerben die Aktion. Momentan entwickelt sich ein landesweites Botschafter-Netzwerk, dem wir in Zukunft auch über Online-Vernetzung gerecht werden wollen. Deutlicher in Richtung politischer Teilhabe, in Richtung einer Bürgergesellschaft zielt die Stiftung Mitarbeit: „Bürgergesellschaft heißt gesellschaftliche Selbstorganisation. Oder präziser: demokratische, gesellschaftliche Selbstorganisation, unabhängig vom Staat und außerhalb des Marktes.“ In diese Richtung weist auch der Wegweiser Bürgergesellschaft, der über Möglichkeiten des bürgerschaftlichen Engagements und politischer Teilhabe informiert und der Erleichterung von Erfahrungsaustausch und Kooperation zwischen unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Netzwerken dient. Diesen Beispielen fehlt allerdings eine von Hannes Jähnert geforderte Eigenschaft: die Möglichkeit der Online-Partizipation. Dabei bieten sich gerade diese Beispiele für die aus meiner Sicht logische Weiterentwicklung an: Vernetzung zwischen den relevanten Akteuren ohne Reibungsverlust, Motivation durch unmittelbar erlebbare Einflussmöglichkeiten sowie Nachhaltigkeit in der Kommunikation der Inhalte durch öffentliche Diskussionen, die weite Kreise ziehen wird.
Ein vielversprechendes Projekt für die Aktivierung von politischer Online-Partizipation von Jugendlichen findet sich im Jugendnetz Baden-Württemberg unter deinestimme.jugendnetz.de: hier können Jugendliche über die Lebensqualität in ihrem Ort abstimmen und die kommunale Politik vor Ort bewerten. Die Seite ist als Tool konzipiert, das jederzeit eingesetzt werden kann, besonders effektiv natürlich im Vorfeld von Kommunal- oder Kreistagswahlen. Die Ergebnisse können jederzeit von jedermann online abgerufen werden – sie können also nicht geschönt, vertuscht, etc. werden, die Meinung der Jugendlichen ist transparent und öffentlich.
Auswertung der 7. Runde der NPO-Blogparade – NPO-Marketingstrategien im Web 2.0
Zunächst einmal vorab: Vielen Dank für die interessanten Diskussionsbeiträge auf meinem Beitrag zur NPO-Blogparade!
Meine Ausgangsfrage war, ob es einen Unterschied bei der Entwicklung einer Marketingstrategie durch Nonprofit-Organisationen im Verhältnis zu den Strategien von gewinnorientierten Unternehmen gibt – bezogen auf die Möglichkeiten, die das Web 2.0 bietet.
Aus meiner Sicht sind hier gerade die NPOs noch viel zu zurückhaltend und vergeben möglicherweise noch bestehende Wettbewerbsvorteile. Unternehmen beherrschen das Zuhören oftmals besser und verstehen es, Kunden bzw. Nutzer an der Entstehung von Produkteigenschaften teilhaben zu lassen und sie zu motivieren, auch unentgeltlich ihre Potentiale im Sinne des Unternehmensziels (also zumeist Gewinnmaximierung der Anteilseigner) einzubringen.
Mich hat besonders gefreut, dass in einigen Antworten und Beiträgen die Fragen nach der Marketingstrategie für NPOs ausführlich aufgegriffen und weiterverfolgt wurden. So hat Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement Blog den Erfolgsfaktor als Maßstab und Begründung für die Entwicklung einer notwendigen, durchdachten (Marketing-)Strategie angeführt. Demnach besteht eine Strategie darin, „…die eigenen Erfolgspotenziale zu suchen, aufzubauen und zu erhalten“. Als größtes Hindernis auf dem Weg zur Entwicklung Erfolg versprechender Strategien sieht er richtiger Weise die fehlende Kenntnis um die neuen Möglichkeiten – beziehungsweise die fehlende Bereitschaft, sich diese Kenntnisse anzueignen. Freaks, die mit Motivation Web 2.0 im NPO-Bereich voranbringen, gibt es nach wie vor höchst selten. Erfolg muss für ihn allerdings klar von der Online-Performance in die reale Welt überführt werden können. Dafür hat er sehr gute Beispiele angeführt, obschon ich das Kriterium online-offline-Übertragung kritisch hinterfrage.
myxococcus vom 72dpiclub Blog hat als Beispiel einer angehenden Web 2.0-Marketingstrategie den Band Contest auf Social Media Art vorgestellt, bei dem der Chibodia Verein als Ausrichter die Nutzer per YouTube Vorentscheide treffen lässt. Der Verein fördert den Aufbau von Kinderheimen in Cambodia und führt den Wettbewerb öffentlichkeitswirksam durch. Ist zu wünschen, dass aus dem Contest eine Strategie wird – indem Nutzer, Spender etc. in immer stärkerem Maße integriert werden in Aktionen und auch Entscheidungen des Vereins.
Herbert Schmidt ist grundsätzlich der Ansicht, dass NPOs grundsätzlich über Marketingstrategien verfügen müssen – ungeachtet der Größe der Organisation. Die Ausgestaltung muss sich natürlich an den Mitteln und den Zielen bzw. der Zielgruppe orientieren, wobei ich ihm uneingeschränkt beipflichte. Allerdings sehe ich deutliche Unterschiede vom Web 2.0-Marketing zum klassischen Marketing: Wege und Methoden sind ohne große Budgets von kleinen wie von großen Organisationen gleichermaßen umzusetzen und die gesteckten Ziele auch ohne große Marketingerfahrungen viel eher zu erreichen als noch vor kurzem. Markenpositionierung kann über Vernetzung geschehen, und das muss – siehe die wachsende Blogparade – außer Zeit und persönlichem Einsatz – nicht viel kosten, verlangt aber die Bereitschaft zu strategischem Denken.
Hannes Jähnert stellt in seinem Kommentar die“…’quasi menschlichen Eigenschaften’ einer NPO“ als herausragendes, vereinheitlichendes Merkmal dar, langfristiges Vertrauen und gesellschaftliche Verantwortung benennt er als Marketingziele, die es – durch Web 2.0 oder durch klassisches Marketing – zu verfolgen gilt.
Sehr beschäftigt haben mich schließlich die Artikel von Ludger Brenner und vom Redcross Sociologist. Die vielfältigen Ansätze, die beide Blogger sehr fundiert ansprechen, kann ich hier im Rahmen einer Auswertung leider nur anreißen. Beide Artikel halte ich bei den Gedanken über die Entwicklung von NPO-Marketingstrategien sowie bei der Betrachtung des Eigenwertes von gemeinnützigen Organisationen für höchst lesenswert und empfehle von daher die vertiefende Lektüre direkt in den Blogs.
Ludger Brenner greift die Frage nach dem Wesentlichen von NPOs auf und stellt Kultur als größten gemeinsamen Nenner von NPOs dar: die Schaffung von dauerhaften, immateriellen Werten. Etwas, das gewinnorientierte Unternehmen mit großem Marketinggetöse dem Kunden vorgaukeln, indem von Erlebniswelten und Wohlfühleffekten die Sprache ist. Etwas, das NPOs quasi bereits in sich tragen, aber nicht verkaufen können. Unternehmen bedienen sich der Kultur als Begründung für eigentlich rein wirtschaftlich begründete Operationen – in einer Welt, die durch Web 2.0-Möglichkeiten offener und kommunikativer wird. Diese sieht Ludger Brenner als Chance für NPOs an: „Gerade die Möglichkeiten des Web 2.0 laden zu einem breiten öffentlichen Diskurs ein. Durch das Auswerten der unterschiedlichen Meinungen kann man schließlich eigene Strategien entwerfen und die Entstehung derselben durch seine Zielgruppen nachhaltig beeinflussen. Kultur ist Gesellschaft, darum ist es gerade heute um so wichtiger, diese zu integrieren und mit ihr zu interagieren. Kultur, insbesondere Kunst, wirkt entlarvend und seismographisch. Sie zeigt auf, was heute ist – das Unbewusste, Unerhörte, Ungesehene-, und sie signalisiert, kündigt an, was morgen sein wird- unvorhersehbare Strömungen, Entwicklungen, Trends.“ Diese Kraft der Kultur gilt es zu transportieren. Die Web 2.0-Instrumente scheinen dafür wie geschaffen.
Gerald Czech vom Redcross Sociologist Blog geht noch einen Schritt weiter: Aus seiner Sicht macht es keinen Unterschied für Marketingstrategien, ob der Zweck einer Organisation gewinnorientiert ist oder höheren Zielen folgt – für deren Erfolg ist ausschließlich die Zielerreichung die relevante Messgröße. Wobei aufgrund fehlender Ressourcen NPOs gegenüber Wirtschaftsunternehmen deutlich geringere Möglichkeiten besitzen. Bezüglich der Web 2.0-Nutzung sieht der Redcross Sociologist hier die NPOs nicht im Hintertreffen – im Gegenteil. Die Applikationen, die im Web 2.0 genutzt werden, verortet er überwiegend im OpenSource-Bereich, nimmt aber nicht Stellung zu dem Einsatz von diesen Applikationen und Portalen im Nonprofit-Bereich über die OpenSource-Gemeinde hinaus. Ich begrüße jedoch den positiven Ansatz und unterstütze die Aussage, dass es einzelne NPOs gibt, die sich Social Media verstärkt und kompetent zuwenden.
Mein Fazit aus den Reaktionen auf meinen Blogbeitrag ist, dass die Diskussion um Strategieentwicklung bei NPOs selbst noch weiterentwickelt werden muss, dass NPOs tatsächlich einen ideellen Vorsprung gegenüber gewinnorientierten Unternehmen haben – diesen aber derzeit nicht nutzen – und dass die NPO-Blogparade einen guten Beitrag zur Diskussion über die Bestimmung des Dritten Sektors anhand der Erscheinungsformen im Web 2.0 leisten kann. Ich bedanke mich bei allen, die meinen Impuls aufgegriffen haben und freue mich auf weitere anregenden Diskussionen im wachsenden Netzwerk!
Diese Runde der NPO-Blogparade läuft bis zum 8 Mai. Wenn Du nicht weißt, was eine Blogparade ist und wie sie funktioniert, wirf bitte einen Blick auf diesen Beitrag im Blog zur NPO-Blogparade, in dem wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst haben. Falls etwas unklar bleiben sollte, einfach per Kommentar fragen. Viel Spaß beim Schreiben und Lesen der Beiträge!
Wiki vs. Email
Jeder, der in Teams und Netzwerken arbeitet – seien sie organisationsintern oder –extern, hat erhöhten Abstimmungsbedarf bezüglich der Inhalte seiner Arbeit: Konzeptionen, öffentlichkeitsrelevante Texte, Produkt- und Serviceentwicklungen, Protokolle, Zeitpläne etc. bedürfen oftmals intensiver Abstimmungsprozesse. In klassischer Weise geschieht dies bei räumlich nahen Gruppen über Meetings, unterstützt durch den Austausch per Email. Bei Gruppen, deren Mitglieder räumlich weit voneinander entfernt arbeiten, verlagert sich der Schwerpunkt zusehends auf den Email-Bereich, selten unterstützt – wenn vorhanden – durch Online-Konferenzen. Email ist vom reinen Benachrichtigungsinstrument zu einem Austausch- und Absprachemedium geworden, was – und das wird mir deutlich, wenn ich in meinen Posteingang schaue – ein echtes Problem darstellt. Ein Wiki ist als Kollaborationsinstrument hingegen deutlich besser geeignet, wie Stewart Mader bereits dargestellt hat.
Kollaboration als Mühsal
Wenn beispielsweise eine Gruppe an einem gemeinsamen Dokument arbeitet, funktioniert dies per Email in der Regel so: Jemand (der in diesem Fall Zuständige oder Koordinator) schickt eine Email mit dem Entwurfsdokument an seinen Gruppenverteiler, der aus, sagen wir mal, sieben Personen besteht. Die erste Schwierigkeit entsteht möglicherweise bereits zu diesem Zeitpunkt: Kann das Dokument in der gewünschten Formatierung von allen Gruppenmitgliedern geöffnet werden? Oder benutzen die Mitglieder möglicherweise verschiedene Word-Versionen oder setzen sie gar auf verschiedene Office-Programme, mit denen sich die Datei nicht oder nicht in der gewünschten Formatierung öffnen lässt? Nun gut… angenommen, das Dokument kann von allen Gruppenmitgliedern problemlos geöffnet, betrachtet und bearbeitet werden. Wie ist der weitere Vorgang? Jeder, der an dem Dokument etwas zu verbessern oder zu dokumentieren hat, arbeitet seine Änderungen ein – entweder direkt im Text, der eine in rot, der andere in grün, wieder ein anderer einfach in der Textfarbe, oder per Kommentar, wenn er sich nicht sicher ist, ob seine Anmerkung oder Änderung gewünscht ist. Dieses irgendwie geänderte Dokument schickt er an den Koordinator zurück mit der Bitte, seine Änderungen und Kommentare zu berücksichtigen. Unter Umständen erhält dieser im Laufe eines definierten Zeitraums sieben auf diese Weise bearbeitete Dokumente zurück. Die Mühe, die einzelnen Änderungen aufeinander abzustimmen, blende ich einfach mal aus. Wiederum angenommen, ihm gelingt es, aus diesen Einzeländerungen wieder ein neues Dokument, den zweiten Entwurf, zu erstellen. Dann schickt er dieses zur weiteren Abstimmung an seinen Verteiler, das Prozedere kann erneut beginnen. Zu diesem Zeitpunkt, also nach der ersten Änderungsrunde, hat jeder Teilnehmer, so er nicht diszipliniert das Ursprungsdokument, seine Änderungsversion und die zugehörigen Emails gelöscht hat, mindestens drei verschiedene Versionen des Dokuments vorliegen. Ohne exakte Versionsnummerierung gerät er womöglich jetzt schon ins Schwitzen, welches denn nun die aktuelle Version ist.
Transparente Kollaboration
Diese Probleme tauchen mit Wikis als Kollaborationsinstrument nicht auf, hier würde sich der Ablauf wie folgt darstellen:
Jemand (der in diesem Fall Zuständige oder Initiator) stellt einen Text in das Wiki und informiert per Email an seinen Gruppenverteiler, dass das Dokument zur gemeinsamen Bearbeitung bereit steht. Die Mitglieder loggen sich mit ihrem Browser ein und können den Text jeweils individuell bearbeiten, was entsprechend unabhängig von installierter Software oder Betriebssystemen funktioniert. Mögliche Konflikte durch gleichzeitige Bearbeitung eines Dokuments von zwei Personen umgeht das System durch Sperrung des Zugriffs auf das Dokument – so jedenfalls bei Foswiki. Jeder Nutzer arbeitet seine Änderungen direkt in das Dokument ein, bis letztendlich ein gemeinsames Dokument entsteht, ohne unterschiedliche Versionsnummern. Sollte jemand in der Gruppe Sorge haben, dass seine Vorschläge verworfen werden und „seine“ Inhalte verloren gehen, gibt es im Wiki die Möglichkeit, jegliche Änderungen nachzuvollziehen (mit Angaben zum Autor, Zeitpunkt und Inhalt der Änderung), so dass ein verworfener Dokumentteil niemals verloren ist. Die Zusammenarbeit geschieht also transparent, das aktuelle Dokument ist stets und für alle Gruppenmitglieder einsehbar. Ein weiterer Vorteil: Die Arbeit verteilt sich auf mehrere Schultern, es muss keine Koordination von einem Mitglied geleistet werden. Die Mitglieder einer Gruppe arbeiten – unabhängig von deren Status im Unternehmen – gleichberechtigt.
Lange Rede, kurzes Video: sehr anschaulich hat diesen Sachverhalt leelefever in einem kurzen Film dargestellt:
Einzige Einschränkung von Wiki gegenüber Email: Die Mitglieder arbeiten Online an dem Dokument.
Nie mehr Email?
Ein Wiki ersetzt Email-Kommunikation nicht. Es bietet aber eine deutlich bessere Voraussetzung für Zusammenarbeit, als dies per Email möglich wäre. Ganz auf den gewohnten Email-Austausch soll nicht verzichtet werden. Es macht ja Sinn, z.B. in einem Wiki-Newsletter wöchentlich oder monatlich – je nach Dynamik innerhalb des Wikis – auf neue Artikel oder besonders dynamisch bearbeitete Dokumente hinzuweisen, um die Aufmerksamkeit stets auf das Wiki und besondere Inhalte zu fokussieren. Zudem funktioniert 1:1-Kommunikation per Email nach wie vor hervorragend. Über Email wird informiert und kommuniziert, mit dem Wiki arbeiten Gruppen zusammen.
Meine Erfahrungen
Das Intranet, das ich auf Foswiki-Basis pflege, hat mittlerweile nach gut sechs Wochen 35 Mitglieder, von denen fünf sehr aktiv sind und bereits Inhalte erstellt haben. Gemeinsam wurden bereits Konzeptpapiere und Öffentlichkeitsmaterialien erstellt – Vorgänge, die bei dezentral arbeitenden Gruppen häufig zu immensem Aufwand per Email-Abstimmungen führten. Im Wiki waren dies überschaubare Prozesse: Die Gruppenmitglieder wurden informiert, dass ein Vorentwurf zu den jeweiligen Dokumenten im Wiki bereit steht und zur Bearbeitung und zum Kommentieren freigegeben ist. Bis zu einer gesetzten Frist konnte an den Dokumenten herumgebastelt werden, was bei dieser ersten echten Netzwerk-Kollaboration auf erstaunlich hohe Resonanz traf, zumal die Mitglieder noch recht unerfahren in der Bedienung des Wikis waren. Zugleich haben wir die „alten“ Kommunikationskanäle jedoch nicht verschlossen, sondern die klassische Antwort per Email zugelassen, diese wurde aber gegenüber der direkten Arbeit im Wiki nur von wenigen Mitgliedern genutzt. Wichtig ist uns, dass die Mitglieder in den Gruppen und Netzwerken nicht gezwungen werden, das Wiki zu nutzen, sondern dass sie den Mehrwert für sich persönlich erkennen und deshalb das Wiki nutzen, was zumindest einen guten Anfang nimmt.
Diese ersten positiven Beispiele lassen mich zuversichtlich in die Zukunft schauen, was das gemeinsame Arbeiten an Dokumenten und Projekten in Gruppen angeht.
Community-Studie: Selbstrepräsentation von Studierenden in studiVZ
Auf Mediaculture-online wurde aktuell eine Studie zum Nutzungsverhalten von studiVZ veröffentlicht. Schwerpunkt der Studie unter 1.200 Befragten sind die Selbstrepräsentation und die Qualität der Kommunikation und Vernetzung der Nutzer. Auffällig ist, dass nach der Studie in deutlicher Mehrheit (72%) Frauen das Netzwerk nutzen. Zumindest in dieser Höhe ist das überraschend. Wichtigste Funktion ist nach der Studie die Möglichkeit, mit Freunden zu kommunizieren. Das Erweitern des eigenen Netzwerks mit neuen Freunden steht deutlich im Hintergrund, eher wird noch das Auffinden und Wieder-Vernetzen mit alten Bekannten genannt. Die Vernetzungsgruppen sind pro Nutzer recht groß: Durchschnittlich 65 % der befragten Nutzer besitzen zwischen 21 und 100 „Freunde“ im Portal. Interessant ist der Versuch, zwischen „echten Freunden“ und weiteren Kontakten zu unterscheiden. Allerdings wird nicht deutlich, wie „echte Freunde“ definiert sind, z.B. im Unterschied zu „Kommolitonen“.
Für das Community-Management interessant ist sicher der Weg, über den neue Freunde innerhalb von studiVZ gewonnen werden. Hier sind nach den häufigsten Nennungen aufgeführt: Über (bestehende) Freunde – über Gruppen – über Seminar-Personen – über Suchfunktionen. Die Vernetzung mit gewonnenen Freunden führen 24% der befragten Nutzer auch im „echten“ Leben fort. Dies geschieht in der Regel über persönliche Treffen. Der fortgeführte Kontakt per Telefon oder über Gruppentreffen wird eher selten gepflegt.
Interessante Hinweise zur Nutzung bestehender Funktionen von studiVZ zur Kommunikation, zur Profilbildung, zur Erkundung fremder Profile sowie die eingesetzten Fragebögen selbst runden die interessante Studie ab, die für alle, die sich mit Community Management beschäftigen, zu empfehlen ist.
