Wiki als Intranet – erste Schritte
Für geschlossene Gruppen im Bildungsbereich baue ich derzeit an Intranet-Lösungen auf der Basis von Foswiki (Free Open Source Wiki), aus der ehemals Open Source-Lösung TWiki entstanden. Foswiki ist für den Einsatz als Unternehmens-Intranet konzipiert und ich möchte meine schrittweisen Erfahrungen mit der für mich neuen Software dokumentieren. Ich werde als Admininstrator für einzelne Webs die Nutzerverwaltung führen und dafür Sorge tragen, dass das Wiki angenommen und von möglichst aktiven Nutzern weiterentwickelt wird.
Zunächst einmal bietet Foswiki standardmäßig einen einfachen WYSIWYG-Editor, vergleichbar mit anderen online-Editoren, was es auch HTML-ungeübten Nutzern leicht macht, Topics (Artikel) neu zu erstellen. Beim Editieren von Artikeln sieht die Sache allerdings schon etwas weniger einfach aus, denn die Formatierung erscheint auch im WYSIWYG zum Teil in HTML. Überschriftenformatierungen werden so angezeigt, wie ich sie gerne hätte, Links allerdings im <a href-Format. Da die Intranets möglichst niederschwellig auch von absolut HTML-unkundigen Nutzern bedient werden sollen, ist dieser Punkt bereits problematisch. Ich hoffe, das kann mit wenig Aufwand angepasst werden.
Plugins sind wie schon beim Vorgänger TWiki zahlreich vorhanden und müssen nicht erst aufwändig angepasst werden. Unter anderem finden sich KalenderPlugin, SpreadsheetPlugin, TablePlugin, ActiontrackerPlugin und zahlreiche andere sinnvolle und bereichernde Anwendungen darunter. HTML-unkundig sind diese allerdings nicht einzusetzen, mit WYSIWYG ist da nichts zu machen. Das schließt von vorn herein aus, dass die breite Masse an Nutzern die Plugins selbst in neue Topics einbaut, was natürlich wünschenswert wäre. Wenn ein Nutzer eine neue Tabelle anlegen möchte, um beispielsweise eine Liste mit Fortbildungswünschen anzulegen, sollte das auch einfach möglich sein. Wenn er erst den Anwender um Rat fragen muss, bremst das seine Motivation. Ich hoffe aus Anwendersicht, dass daran innerhalb der Community noch gearbeitet werden wird.
Die Grundstruktur und die Nutzerverwaltung begeistern mich aus mehreren Gründen: Mit einer Foswiki-Installation können beliebig viele Einzelwebs mit jeweils völlig unterschiedlichen Nutzerberechtigungen aufgesetzt werden. Der Aufwand besteht Anfangs lediglich darin, die Templates für die einzelnen Webs anzulegen und Berechtigungen je nach Web festzulegen. So kann ein Nutzer beispielsweise die Berechtigung zum Betrachten und/oder Editieren eines bestimmten Webs erhalten oder er kann beliebig vielen Webs zugeordnet werden. Oder es werden Gruppenberechtigungen auf die gleiche Weise vergeben. Es können aber auch für spezifische Topics ganz individuelle Berechtigungen vergeben werden. Das macht Sinn, wenn es Artikel gibt, die tatsächlich nicht zur Diskussion stehen und nur betrachtet werden sollen oder wenn es innerhalb eines Webs Artikel gibt, die nur bestimmten Personen zugänglich gemacht werden sollen. Mit diesen Funktionen unterscheidet sich Foswiki deutlich von anderen Wiki-Lösungen wie z.B. MediaWiki, bei dem ein Schwerpunkt beispielsweise Schutz vor Vandalismus darstellt. Dies ist bei Intranets in der Regel nicht der Fall, da alle Nutzer namentlich registriert sind, jede Änderung an Topics jederzeit nachvollzogen werden kann und bösartiges Verändern eingestellter Inhalte somit unterbleibt. Das Registrieren und die Berechtigungseinstellungen funktionieren vielversprechend und ich freue mich schon darauf, den zukünftigen Nutzern das noch etwas leere Intranet in knapp zwei Wochen vorzustellen und hoffe, dass diese sich motivieren lassen, das Ganze beleben werden. Denn technische Möglichkeiten sind natürlich das Eine, die ganz persönliche Motivation und der Mehrwert für die Nutzer das Andere. Über den Einsatz von Wikis als Intranet gibt es eine sehr ansprechende Präsentation vom Projektmanagement 2.0-Blog, die im ersten Teil den Einsatz derartiger Wissensmanagement-Tools kritisch hinterfragt und vor allem vor zu viel Euphorie warnt:
Der zweite Teil widmet sich dem Schwerpunkt der informellen Netzwerke, deren Bildung und Informationsfluss durch Social Media wie Wikis begünstigt werden:
Foswiki veröffentlicht – Wikis für Unternehmen und Netzwerke
Am 9. Januar ist Foswiki veröffentlicht worden. Foswiki geht aus dem bisherigen TWiki hervor, als Resultat aus einem Streit um die kommerzielle Nutzung von TWiki zwischen TWiki-Gründer Peter Thoeny und der TWiki-Community. Als Thoney die TWiki Community vorübergehend ausgeschlossen und allen Entwicklern den Zugang zum TWiki-Portal gesperrt hatte, entstand eine sogenannte Fork: Die Community entwickelte auf Basis des bestehenden TWiki die Software weiter, die nun als Foswiki in der Version 1.0 veröffentlicht wurde.
Momentan bin ich dabei, mich in die Administration von Foswiki einzuarbeiten, da ich die Software als Intranet und Wissensdatenbank für geschlossene Netzwerke im Bildungsbereich nutzen werde. Und hier liegt die Stärke von Foswiki wie beim bisherigen TWiki: Umfangreiche Nutzerverwaltung mit ausgefeiltem Rechtesystem, zahlreiche Plugins für verschiedene Einsatzmöglichkeiten in Intranets sind standardmäßig enthalten (z.B. Kalender-, Workflow-, Table-Plugin) und eine aktive Community entwickelt fleißig weiter. Zudem können beliebig viele Webs auf der Grundlage eines einmal installierten Wikis aufgesetzt werden – jeweils für unterschiedliche Nutzergruppen. Weitere Informationen zu Foswiki/TWiki im Unterschied zu MediaWiki finden sich auf dem Blog von Seibert Media, mit denen ich die Implementierung der Netzwerk-Intranets angehe.
Ich bin sehr gespannt, wie die Wikis in den verschiedenen Netzwerken von den Nutzern angenommen werden. Es ist jedenfalls ein großer Schritt in Richtung Einbindung von Nutzern in die Wertschöpfung und die gemeinsame Gestaltung von Inhalten und Prozessen.
