Blog vs. Twitter
Entschuldigung, ich war in den letzten vier Wochen nach Twitter verreist.
In den nächsten Tagen finden Sie mich nicht auf Xing, Sie haben aber eine Chance, mich auf friendfeed zu treffen.

Mein persönliches derzeitiges Online-Verhalten spiegelt in gewisser Weise einen allgemeinen Trend wider: Es wird weniger gebloggt, dafür umso mehr getwittert. Auch ich habe nach ein paar Anläufen endlich Twitter für mich entdeckt – als eine unvergleichlich gute und dynamische Informationsquelle, als einfachen Einstieg in zum Teil tiefgründige Themen. Und dabei habe ich mein Blog vernachlässigt, ganz zu schweigen von meinem Xing-Netzwerk. Ich betreibe dies Blog, Twitter usw. als reines Hobby neben meiner eigentlichen Arbeit und meiner Offline-Welt, und da muss ich mich halt entscheiden, wohin meine Ressourcen fließen. Wie gesagt, es wird getwittert, was das Zeug hält. Es gibt zunehmend Annahmen, dass Twitter in naher Zukunft Blogs verdrängen wird, so wie Online-Nachrichten die klassischen Printmedien verdrängen und verdrängt haben. Diese Entwicklung betrübt mich ein wenig, da ich mir wünsche, dass wichtige Themen nicht überwiegend in ihrer Quantität, sondern vor allem in ihrer Qualität erfasst und diskutiert werden. Ist das möglich, wenn ich von einem Link zum nächsten fliege?Und wenn ich dort 20 Präsentationen zu Social Media im Nonprofit-Bereich finde, den Link gleich als Retweet weiterleite? Weil… also… 20 Präsentationen zum Thema, das ist doch was, das ist doch toll. Sollen sich die anderen die doch mal angucken. Oder weiterleiten. Oder mir folgen. Ist das tiefgründig?

twitter over capacity
Wie gesagt, mittlerweile mag ich Twitter. Sehr sogar. Doch vermisse ich die Tiefe, die ich bei einigen ausgewählten Blogs durchaus finde. Schlimm, wenn auf Kosten von Twitter Blogs zunehmend vernachlässigt werden. Umso mehr hat mich der ausführliche Artikel von Jeremiah Owyang zu dieser Entwicklung gefreut, der sich zum Bloggen bekennt und in seinem Netzwerk eine Verflachung der Diskussionskultur und zum Teil vollständigen Rückzug vom Blogging beobachtet. Twitter Nutzen bringend einzusetzen und mit dem eigenen Blog und anderen Online-Aktivitäten zu verbinden ist seine bevorzugte Strategie, was ich für sehr sinnvoll halte. Eine Möglichkeit, dies technisch zu unterstützen, bietet natürlich friendfeed, wodurch zumindest eingehende Kommunikation und eigene Postings aus verschiedensten Netzwerken gebündelt dargestellt werden können. Wenn ich jetzt nur aus friendfeed alle meine Profile zentral füttern könnte…
Mir zeigen die Entwicklungen jedenfalls, dass sich der Web 2.0-Markt in einer Konsolidierungsphase zu befinden scheint, wobei die Freaks den Ton angeben. Für Organisationen und Unternehmen bedeutet dies, sehr wachsam zu sein, in welchen Netzwerken sie aktiv sein wollen und wie sie ihre Ressourcen sinnvoll einsetzen. Dazu passt einmal mehr die Aussage von Seth Godin (Twibes, Piatkus Books 2008): „Stability is an illusion“ – es geht darum, aus der sich ständig in Bewegung befindlichen Masse heraus Stämme zu bilden, zu einer Bewegung zu binden und diese anzuführen. Dies geht aber nur mit einer durchdachten Marketingstrategie, deren Methoden und Instrumente zur Organisation und zu den zu bindenden Stämmen passen.
So gesehen haben Blogs, vor allem Corporate Blogs, nach wie vor eine große Zukunft vor sich. Twitter hat seine Funktionen und wird in Zukunft an Bedeutung noch zulegen. Als Marketinginstrument wird es jedoch Blogs auf absehbare Zeit nicht verdrängen können.
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Community Day 2009 in München
Community Day? In München fand heute fast unbemerkt von der Netzöffentlichkeit eine sehr gute, wenn nicht wegweisende Veranstaltung statt. Auf Einladung von Alexander Homeyer (Inhaber von Youngcom!) fanden sich Marc Bürger (Senior Online Product-Manager beim Egmont Ehapa Verlag), Matthias Kröner (Vorstand der Fidor AG und emotionaler Verfechter des Banking 2.0), Dr. Benedikt Köhler (einer meiner Lieblingsblogger und Director Digital Strategy & Research bei ethority) Dr. Clemens Riedl (schnellsprechbegabter Geschäftsführer der StudiVZ Ltd.) sowie Mario Ripanti (Geschäftsführer der ekaabo GmbH, konnte ich leider nicht mehr mitbekommen) in München ein, um über Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Communities zu diskutieren.

Marc Bürger stellte die beeindruckend erfolgreichen Communities Micky-Maus.de (85.000 unique visitors, 2 Mio page impressions) sowie die Madchen-Community goSupermodel.de (270.000 unique visitors, 48 Mio page impressions) vor. Beide Communities basieren natürlich auf bestehendem Inhalt, bieten aber den jungen Nutzern zahlreichen Mehrwert wie Spiele, Vorschauen, umfangreiche Profilfunktionen etc. In beiden Fällen spielen Rankings eine große Rolle, durch erfolgreiche Aktivitäten können die Nutzer exklusive Auszeichnungen gewinnen und so ihr Profil sichtbar aufwerten. Bei goSupermodel.de gibt es zudem sogenannte Starprofile – diese können von den Nutzerinnen, aber auch von exklusiven Werbepartnern für eine von Ehapa betreute Kampagne angelegt und im Markenclub präsentiert werden.
Als “Der Einfluss von Social Media auf Finanzdienstleistungen” auf dem Programm stand, wollte ich eigentlich in die Pause flüchten – zum Glück bin ich sitzen geblieben, denn was Matthias Kröner zu Banking 2.0 zu sagen hatte – und vor allem, wie – war jede Minute wert! Sein Vortrag war eine Abrechnung mit dem alten Finanzwesen, mit der Intransparenz und der zum Teil vollkommenen Beziehungslosigkeit des Großteils der Banker zum Kunden. Mehr noch prangerte er deren Morallosigkeit auch und gerade nach dem Finanzcrash an: Mitschwimmer beklagen und bejammern, was im Vorfeld alles falsch gelaufen sei und machen nun einfach weiter wie zuvor. Als Antwort darauf haben er und seine Mitstreiter nun das Banking 2.0 begründet: “Banking mit Freunden”. Was pathetisch und selbstbeweihräuchernd klingt, brachte Matthias Kröner in seiner packenden Grundsatzrede für €nterprise 2.0 authentisch rüber: Transparente Organisationsentwicklung, der Kunde verdient am Geschäft mit, die Bank wird so wirklich zu ‘seiner’ Bank. Ein schönes Zitat von ihm: “Moral, Ethik und Kultur kann man nicht outsourcen!” Die Organisation muss dies leben und umsetzen, statt bloß auch was mit Web 2.0 anzubieten, weil das grad alle so machen. Dies geschieht beim Fidor Community Banking mit Hilfe von durch Nutzer mitgestaltete monetäre Anreizsysteme.
Benedikt Köhler griff den Kulturbegriff gleich auf und sprach von einer Unternehmenskulturrevolution, die aufgrund der erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr abzuwenden ist. Wenngleich, wie er betonte, das zugrunde liegende Sozialverhalten tief in der Geschichte des Menschen als soziales Wesen verwurzelt ist. Vor diesem Hintergrund kommt Twitter eine außergewöhnliche Bedeutung als einfach zu bedienendes globales Vernetzungs- und Verweistool zu. In Verweisen auf Seth Godin stellte Benedikt Köhler Twitter als das universale Instrument zur Vernetzung der ‘Stämme’ dar, wie sich die Gruppenstruktur der Internetnutzer laut Godin darstellt. Auf die Slides seiner Präsentation freue ich mich jetzt schon.
Die Erfolgsgeschichte von StudiVZ ist hinlänglich bekannt. Die Power und das Selbstbewusstsein aber direkt von Clemens Riedl dargestellt zu bekommen, war mir allerdings eine große Freude. Wenngleich ich nicht ganz unkritisch den Umgang der VZler mit Datenschutzbestimmungen sehe, bin ich nach dem Vortrag schon mit dem stolzen Gefühl zurückgeblieben, dass wir in uns Deutschland als wie er sagte, ‘kleines gallisches Dorf erfolgreich gegen die marktdominierende übermacht’ aus übersee wehren. Nun muss ich gestehen, dass ich bislang noch kein Account habe, dies aber bei meinVZ (Netzwerk für Alumni und Young Professionals) bald nachhole, versprochen! Ausschlaggebend für den Erfolg von StudiVZ ist laut Clemens Riedl, das die Community für die Nutzer zur Lebens-Organisations-Software geworden ist, Kommunikaion erfolgt von vielen Nutzern ausschließlich über dieses Medium. Dazu passt das neue Projekt zur Europa- und Bundestagswahl: Nutzer sollen zur politischen Teilhabe motiviert werden und wählen gehen! Dazu startet StudiVZ derzeit eine große Kampagne mit starken TV- und Printmedienpartnern, die Kandidaten der Parteien haben größtenteils bereits eigene Profile auf StudiVZ angelegt und stellen sich dort ihrem Wahlvolk. Sehr beeidruckend vor allem vor dem Hintergrund, dass die fehlende Motivation zur gesellschaftlichen Teilhabe durch die Parteien auf dem Nationalen Forum für Engagement und Partizipation (vgl. mein Post dazu) angemahnt wurde. Hier geschieht über eine kommerzielle Vernetzungsplattform also eine spürbare Weiterentwicklung der Bürgergesellschaft – spannend!
Das war eine etwas ausufernde Nachbetrachtung des ersten Community Days – aber die Referenten waren es wert!
Schließen möchte ich mit einem weiteren schönen Zitat von Matthias Kröner: “Wer lügt, braucht ein gutes Gedächtnis: er muss sich immer merken, wem er was gesagt hat. Deshalb wollen wir eine offene und ehrliche Kommunikation pflegen.” Hallelujah!
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You’re No One If You Aren’t On Twitter
Neben intensiver Projektarbeit und – natürlich – der Diplomarbeit bleibt derzeit kaum Zeit zum Bloggen, aber dies Video von Ben Walker darf nicht unerwähnt bleiben:
Die Lyrics gibt’s auch dazu, im Original von 50/90 Songs:
You’re no one if you’re not on Twitter
And if you aren’t there already you’ve missed it
If you haven’t been bookmarked, retweeted and blogged
You might as well not have existedIn the old days it was all about achievements
Collecting all your trophies in a shrine
Then everybody came across the internet
And suddenly you had to be onlineA home page was all you really needed
To seem like a success but not a geek
As long as you updated semi-annually
And checked your email once or twice a weekYou’re no one if you’re not on Twitter…
Technology was moving rather quickly
And the next thing you needed was a blog
With intimate and detailed press releases
And now and then a photo of your dogMore recently the students brought us Facebook
And everybody has a hundred friends
The parties in the photos look amazing
They’re not so great but everyone pretendsYou’re no one if you’re not on Twitter…
Now you need to publish every movement
And every single thought to cross your mind
I’m told the Twitterverse is full of rubbish
But most of us are actually quite refinedWe validate each other’s insecurities
And brag about the gadgets that we’ve bought
We laugh out loud at every hint of jolliness
And try to self-promote without being caughtYou’re no one if you’re not on Twitter…
Ist Twitter für Unternehmen sinnvoll?
Update: Einen positiven Ansatz, nämlich wie sich Unternehmen verhalten sollen, um mit (oder auf) Twitter erfolgreich zu sein, findet sich beim Marketing & Strategie Innovation Blog. David Armano greift das Scheitern von Marken auf und wendet sich dem kreativen Marketing zu. Besonders wichtig ist der Hinweis, dass über Marken auf Twitter geredet wird – egal, ob diese nun dort offiziell registriert ist, vor sich hin dümpelt, oder selbst überhaupt nicht twittert. Deshalb der alte Hinweis: Erst zuhören, dann reden, und zwar über search.twitter. Und – guter Hinweis – nicht nur über die Marke selbst, sondern über den Markeninhalt wird geredet: Sportartikelhersteller sollten also nicht nur Tweets über ihren Markennamen suchen, sondern auch nach Artikeln zu Fußballschuhen, Tennisschläger etc. Somit ist eigentlich die Überschrift falsch – sie sollte eher lauten: Ist Twitter für Unternehmen relevant? Da würde ich sagen: zunächst zuhören, dann beantworten.
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Eine spezifische Fragestellung innerhalb der Diskussion, ob und in wie weit Unternehmen Web 2.0-Aktivitäten entwickeln müssen. Twitter ist ungebrochen erfolgreich und trendy, viele gestandene Blogger müssen ganz einfach auf Twitter ebenso aktiv oder noch aktiver sein. Und auch ich habe eine gewisse Begeisterung für Twitter entwickelt, obschon ich als reine Privatperson kein großes Interesse habe, tagtäglich Weisheiten über den mobilen Äther herauszuschicken. Aber für Unternehmen – insbesondere für Organisationen, deren Kunden und Zielgruppen eher in der jüngeren Altersklasse anzutreffen sind, halte ich das Medium Twitter für sehr vielversprechend. Zwei Artikel haben mich allerdings aufhorchen lassen: Auf 33 Brands that suck on Twitter von Rudney Rumford werden Marken vorgestellt, die auf verschiedenste Weise auf Twitter eine Bruchlandung erleben – sei es, weil sie schlichtweg inaktiv sind, oder Karteileichen, deren Adresse geparkt ist, weil sie möglicherweise irgendwann mal aktiviert werden soll oder auch weil irgend jemand den Namen “gehijacked” (üble Wortkreation, Verzeihung) hat, also einen Firmennamen entführt hat und missbraucht. Die Kommentarliste ist hochaktiv und outet so manche Marke, die es wagt, in die Twittersphere einzudringen. Der zweite Artikel kommt von dem von mir sehr geschätzten Jeremiah Owyang und greift Rudneys Artikel auf. Jeremiah analysiert ziemlich genau, warum Marken auf Twitter scheitern. Seine Liste möchte ich leicht interpretierend aufgreifen:
- Marken reagieren langsam:
Der Erfolg von Twitter ist über die Markenwelt vollkommen überraschend hineingebrochen. Viele Namen sind schon reserviert und in aktiver Nutzung – vor allem natürlich weitbekannte Namen wie @disney oder @marlboro. - Unternehmensdomains: Nicht anwesend
Der Unternehmensname wurde reserviert und dann heimlich geparkt, so dass Punkt 1 nicht stattfinden kann. Allerdings hüten sich viele Unternehmen vor dem EIntritt nach Twitter, aus Angst vor dem für sie ungewohnten kommunikativen Terrain. - Nicht persönlich genug
Wie bei Blogs gilt auch bei Twitter: Der Inhalt zählt! Wenn ich andere Nutzer für meinen Tweet gewinnen möchte, muss ich mich interessant machen. Worüber also schreiben? Häufig werden Blog-posts oder andere anderweitig benutzbare Inhalte von verschiedenen Menschen eines Unternehmens eingestellt, ohne dass ein greifbarer Mensch, der Geschichten zu erzählen hat, dahinter steht. Der Follower weiß also nicht, mit wem er gerade kommuniziert. - Zu persönlich
Manche Marken gehen auch den anderen Weg und überpersonalisieren tagtägliche Arbeitsinhalte, wirken dadurch entweder zu seltsam oder aufgesetzt. - Kitsch as Kitsch can
Manch Unternehmen verklärt die eigene Marke und fügt allzu oft zu unpassender Gelegenheit an, wie toll die eigene Marke doch sei – das mag auf Dauer niemand hören. - Big brother is watching
Es gibt Marken, die folgen einfach anderen Mitgliedern und hoffen dadurch, ihrerseits ihre Followers zu steigern. Das habe ich mit einem mickrigen Test-Tweet sogar schon erlebt, nachdem ich sage und schreibe 5 nichtssagende Tweets getwittert (sagt man das so…?) habe. - Hybrid-Marken aus Personen und Unternehmen halten nicht
Am Beispiel von 2 Mitarbeitern von Dell und Oracle schließt Jeremiah, dass eine Vermischung von persönlichen und unternehmensbezogenen Inhalten auf Dauer nicht tragfähig sind. Dazu möchte ich keine Aussage machen – das halte ich nicht für besonders belegt. - ROI unklar
Was bringt Twitter? Diese Antwort kann noch nicht gegeben werden – da noch keine Studien diesbezüglich vorliegen. Ich halte das ebenso für etwas schwach argumentiert – zumal es in Zukunft immer schneller immer mehr neue Möglichkeiten geben wird, Marken zu kommunizieren. Hier gilt es aus meiner Sicht abzuwägen, ob ich grundsätzlich offensiv meine Marke auf interaktiver Weise kommunizieren möchte – ähnlich wie bei Corporate Blogs. - Einfach egal
Alles läuft, regelmäßige updates, netter Schreibstil – und trotzdem interessiert sich niemand. Warum? Möglicherweise ist die Marke zu unbekannt, oder – Marketinghausaufgabe! – die Kunden twittern nicht. Die guten Nachrichten verhallen also ungehört. Also ähnlich wie bei Blogs.
Diese Negativliste sollte natürlich für Entscheidungszwecke – ob oder ob nicht twittern – als Positivliste gelesen werden. In jedem Fall sollte auch Twitter nicht blauäugig angegangen werden. Auch in einem Hypemedium ist nicht jeder, der mitmacht, automatisch hype. Auch Marketing im Web 2.0 hat neben der nötigen Inspiration eine Menge Transpirationsanteil…
