Facebook und das Schweizer Referendumsrecht

Einen ganz interessanten Artikel habe ich auf Heise Online entdeckt. Demnach setzt sich die Schweizer Bundeskanzlei derzeit mit den Auswirkungen von der gestiegenen Zahl vernetzter Bürger auf das Referendumsverhalten auseinander: Die – in der Schweiz vor allem über Facebook und MySpace – gestiegene Vernetzung der Menschen werde von Initiativen zu deutlich effektiveren und schnelleren Unterschriftensammlungen für Referenden und Volksinitiativen genutzt. Das ist an sich für ohnehin vernetzte Menschen vielleicht keine so sensationelle Nachricht. Es zeigt aber, wie stark sich die Entwicklungen zum Web 2.0 bzw. 3.0 auf die gesellschaftlichen Prozesse auswirken. Nutzer vernetzen sich nicht nur zum Spaß und Zeitvertreib, sie bilden nach dem interessanten Ansatz von Seth Godin stammesartige Gruppierungen (Tribes), die sich anlassbezogen für eine bestimmte Zeit gewissermaßen zusammenrotten und ein auf eine bestimmte Sache bezogenes hohes energetisches Potential entwickeln können. Eine Ausführung dazu findet sich in der Rezension von „Tribes“ bei Paul Dunay’s Marketing 2.0. Dies wirkt sich aus der Online-Welt heraus auf die Realpolitik und realgesellschaftliche Zusammenhänge aus, wie dies bekanntermaßen Barack Obama in seiner Kampagne gelungen vorgeführt hat. Dass dies allerdings bereits bis in Schweizer Bundesbehörden vordringt, sehe ich schon als Sensation – angesichts der Tatsache, dass dieser Entwicklung von (deutschsprachigen) Unternehmen noch nicht in der Breite berücksichtigt wird. Besonders Nonprofit-Organisationen, so zeigt auch die Diskussion in der NPO-Blogparade, sind davon noch weit entfernt.

Zurück zum Referendumsrecht – die Konsequenz für die Schweizer Bundeskanzlei sieht so aus, dass nachgedacht wird, die Zeit, in der die für Referenden notwendige Zahl an Unterschriften gesammelt werden können, zu verkürzen. Mit der Begründung, dass es in letzter Zeit zu vielen Initiativen in zu kurzer Zeit gelungen sei, Volksabstimmungen zu erzwingen – ohne eine ausführliche öffentliche Diskussion geführt zu haben. Wie allerdings die verkürzte Zeit dazu dienen soll, eine solche Diskussion zu fördern, wurde bislang nicht bekannt.

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Eine Antwort zu Facebook und das Schweizer Referendumsrecht

  1. swiss schreibt:

    Gute Frage! Wird es bald eine Referendumscommunity geben?🙂

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