NPO- Blogparade Nr. 5: Ein Wort zu den Verwaltungskosten im gemeinnützigen Sektor

In der 5. Folge der NPO-Blogparade hat Basti Schwiecker vom Helpedia-Blog erneut ein längst überfälliges Problem angestoßen: Er fragt: Warum steht die Höhe der Verwaltungskosten bei spendensammelnden Organisationen so oft im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte? Mit der vermeintlichen Grundhaltung von Spendern, dass das von ihnen gegebene Geld in möglichst voller Höhe dem gewünschten Zweck zugeführt wird, stehen Organisationen im Nonprofit-Bereich unter dem Druck, die Kosten, die das Sammeln von Spenden und die Finanzierung von unterstützten Projekten erst ermöglichen, möglichst niedrig zu halten sind. Dies ist an sich nicht problematisch, auch in gewinnorientierten Unternehmen gilt es, Verwaltungskosten möglichst niedrig zu halten. Zum Problem wird dies aber dann, wenn die niedrigen Verwaltungskosten das Hauptkriterium für gute Arbeit einer Spenden sammelnden Organisation sind, was Schwiecker richtig anmerkt.
Er beklagt die aus dem reinen Kostensenkungs-Denken resultierende mangelnde Bereitschaft zur Professionalität, die sich zum Einen im Mangel an geeigneten Instrumenten zur Erfolgsmessung von gemeinnützigen Projekten und zum Anderen in der vergleichsweise geringen Vergütung von Experten und Führungskräften im gemeinnützigen Sektor widerspiegelt. Dies sehe ich ebenso: Nonprofit-Organisationen verfügen in der Regel nicht über ausreichende Ressourcen zur Erhebung marktgerechter Daten in Bezug auf den Erfolg ihrer Produkte und Dienstleistungen. Evaluationen zur Darstellung von Projekterfolgen geschehen zum Teil auf willkürlich angenommenen Marktdaten, werden häufig von ungeschultem Personal erdacht, erhoben und ausgewertet und dienen nicht selten dazu, weitere Projektfinanzierungen – z.B. aus öffentlichen Fördermitteln – abzusichern. In der Außendarstellung von Projekterfolgen in Bezug auf Spender/innen finden solche Evaluationen häufig noch nicht einmal statt – hier genügen wie Schwiecker anmerkt, z.T. schon Bilder aus den Projekten, um das gute Gefühl beim Spenden zu beruhigen. Um die tatsächliche Effizienz einer Organisation zu messen, bedarf es aber professioneller Instrumente, die entsprechende Kosten mit sich ziehen.
Was die Vergütung des Personals im gemeinnützigen Sektor angeht, besteht ebenfalls Diskussionsbedarf. Schwiecker beklagt zu Recht, dass professionelle Zielverfolgung bei der Umsetzung gemeinnütziger Projekte und effizienter Einsatz von Mitteln professionelles Personal erfordert – insbesondere dort, wo verantwortlich Mittel in größerem Umfang eingesetzt werden. Dies betrifft meiner Meinung nach zum Einen Führungspersonal in Entscheidungspositionen als auch Personen, die die notwendigen Mittel beschaffen und die Menschen zum Spenden bringen, also die Fundraiser. Immerhin gibt es bei zahlreichen größeren Organisationen Menschen, die sogar dafür bezahlt werden, dass sie über Marketing-Aktionen Gelder für die Unternehmensziele einwerben, doch gibt es hier in den wenigsten Fällen eine Erfolgsbeteiligung. Aber – das würde ja wieder die besagten Verwaltungskosten in die Höhe treiben.

Hier mache ich dann gleich einen Schwenker zu NPO 2.0 – was es so ja leider noch nicht gibt, im Gegensatz zu Enterprise 2.0. Dabei bietet gerade das neue Web die Möglichkeit, solche Diskussionen offener zu führen. Nein – nicht die Möglichkeit, sondern die Notwendigkeit. Wie zahlreiche Unternehmen aus dem Wirtschaftsbereich schmerzhaft erfahren mussten, wurden sie oder ihre Marken aufgrund von Tatenlosigkeit „brandjacked„: Auf Twitter haben sich Nutzer Namen angelegt, um wie die in ein paar Tagen berühmt gewordene „Janet“ als vermeintlich offizielle Vertreterin von Unternehmen – hier Exxon Mobile – aufzutreten und Unternehmenskommunikation vorzugaukeln. Soweit muss es nicht kommen, doch wird deutlich, was ich aus dem Beitrag von Basti Schwiecker ebenso herauslese: Nonprofit-Organisationen müssen ein stärkeres Bewusstsein entwickeln, sich selbst deutlicher zu positionieren – und den Wert, also auch die Kosten, ihrer Arbeit. Eine Spenden sammelnde Organisation bittet zwar um Geld, ist aber kein Bittsteller.

Kurz zusammengefasst: Ich halte den Artikel von Basti Schwieckert für einen gelungenen Beitrag zur Diskussion um Professionalisierung und zu einem selbstbewussteren Auftreten von Nonprofit-Organisationen. Möglichkeiten, dies anzugehen, sind im Web 2.0 gegeben, sie müssen nur genutzt werden.

Wenn Du nicht weißt, was die NPO-Blogparade ist und wie sie funktioniert, wirf bitte einen Blick auf diesen Beitrag im Blog zur NPO-Blogparade, in dem wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst haben. Falls etwas unklar bleiben sollte, einfach per Kommentar fragen. Viel Spaß beim Schreiben und Lesen der Beiträge!

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